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Seide

SeideIhre geschmeidige Kostbarkeit, das unvergleichliche Gefühl auf der Haut und die Weichheit mit der sie fällt… Seide ist und bleibt eines der beliebtesten Materialien in der Mode. Ob als elegante Bluse, stilvoller Rock oder sommerliche Shorts – die formbeständige und starke Naturfaser ist wahnsinnig bequem, leicht und schimmernd. Auch lässt sich das Material sehr gut färben, so dass Blumenprints, grafische Muster und alles, was der kreative Designerkopf sonst noch hergibt, problemlos aufgetragen werden können. Das einzige Manko der Seide liegt in dem relativ hohen Pflegeaufwand und der nicht immer ganz leichten Fleckentfernung, doch das tut ihrer Beliebtheit keinen Abbruch. Von Haspelseide, der feinsten und glänzendsten Variante, über die als sehr hochwertig geltende Maulbeerseide bis hin zur weichen und matten Schappeseide gibt es verschiedene Seidenarten, die sich alle in ihrem Herstellungsverfahren unterschieden. Wer Seide hört, denkt automatisch an die Seidenraupen, die zu ihrer Entstehung beitragen. Doch wie genau funktioniert die Seidenherstellung und wie sieht die Geschichte der Faser aus?

Die Geschichte der Seide als Modestoff

Die Geschichte der Seide als Modestoff nimmt ihren Ursprung im alten China. Vor über 5.000 Jahren soll dort angeblich die Kaiserin Se-ling-schi in ihrem Garten Seidenkokons gefunden und auch die Technik des Seidenspinnens entwickelt haben. Schnell wird die Zucht der Raupen vorangetrieben und damit begonnen, wertvolle Geschmeide aus dem kostbaren Faden zu weben. Zwar zeigten auch die Europäer reges Interesse an der Seide und begannen über die noch heute bekannte Seidenstraße den Handel mit ihr. Wie die Seidenstoffe aber erzeugt wurden, blieb bis ins sechste Jahrhundert nach Christus ein wohl gehütetes chinesisches Geheimnis.

Doch nicht nur die Chinesen verfügten über die begehrte Faser. Um 350 vor Christus fand der Philosoph Aristoteles auf der griechischen Insel Kos ebenfalls Seide. Allerdings identifizierte er sie nicht als solche, so dass sie als „coisches Gewebe“ in die Geschichte einging und durch die feinere und geschmeidigere Qualität der chinesischen Seide bald verdrängt wurde. Und auch im alten Rom gab es Seide, wenngleich sie nicht von den Seidenraupen, sondern von einer spinnenden Muschel stammte. Auch war dieses Produkt viel zu selten und damit unerschwinglich. So hielten die Chinesen für sehr lange Zeit das Monopol auf den beliebten Modestoff, aus dem weltweit Gewänder, Kleider und Verzierungen gefertigt wurden.

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Von der Raupe in die Shops – Die Herstellung von Seide

Seide stammt also von Raupen, so viel ist klar. Doch so einfach wie das Prozedere klingt, ist es bei weitem nicht. Der Seidenspinner war ursprünglich tatsächlich nur in China beheimatet und bereits das Schlüpfen der Raupen dauert unter natürlichen Bedingungen fast ein Jahr. Heute wird der Prozess mit Hilfe von Brutkästen beschleunigt, so dass sich die Raupen schneller verpuppen und mit sage und schreibe 300.000 Kopfbewegungen ihren Kokon entstehen lassen. Damit der empfindliche Bau aus Seidenfäden nicht beim Schlüpfen zerreißt, werden die Raupen im Inneren mit heißem Wasser getötet und der Kokon vorsichtig gebürstet, bis schließlich der Faden zum Vorschein kommt. Der Seidenfaden ist wahnsinnig dünn, so dass mindestens vier von ihnen für einen Faden benötigt werden, der später abgehaspelt werden kann. Darunter versteht man das Aufwickeln der Seide auf eine Art Spule. Rückstände auf dem Faden und Schmutz werden dann beim sogenannten Degummieren oder Entbasten in einer Seifenlauge entfernt, die außerdem für den typischen Seidenglanz sorgt. Aus dem fertigen Faden werden dann die verschiedenen Seidenstoffe gewebt. Von Chiffon über Satin bis hin zu Taft gelangen die Erzeugnisse in Nähereien weltweit – und somit auch in die Shops, in denen sie Modefans in immer neuem Look erfreuen.

Sogar Bio-Seide gibt es mittlerweile. Dazu müssen schon die Maulbeerbäume, von denen sich die Seidenspinner ernähren, biologisch angebaut und auf Medikamente während des Zuchtprozesses verzichtet werden. Obwohl die Raupenzucht und damit die Seidengewinnung heutzutage rationalisiert und optimiert stattfindet, ist und bleibt der Prozess komplex. Nicht nur wegen ihres entsprechenden Preises sollte Seidenkleidung also wertgeschätzt werden, sondern auch wegen ihrer ganz besonderen Herkunft.

 

[Artikelbild: J E Therlot | Raupe: Nathan Nelson | Cocoons: Jonathan – All Flickr.com]